„Kleine Teilchen ganz groß“

Dr. Eva Gerhard-Abozari

Sie sind nahezu unvorstellbar klein und entfalten eine nahezu unvorstellbare Wirkung: Nanopartikel. Autolack wird kratzfester, Stahl um ein vielfaches härter, Energiespeicher effektiver; dies sind nur einige faszinierende Beispiele, wenn Nanomaterialien mit im Spiel sind. Die Liste der Anwendungen für diese erst junge Technologie ist bereits lang. Aber wie wirken sich neu entwicklte Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt aus? „Für diese heikle Frage gibt es inzwischen erste Antworten“, weiß Dr. Eva Gerhard-Abozari, die im Geschäftsbereich Neue Materialien und Chemie beim Projektträger Jülich mit Kollegen die Projektförderung zur Nanotechnologie betreut. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte in den zurückliegenden drei Jahren mehrere Projekte, die genau dieser Frage nachgingen. Die Ergebnisse des Projekts NanoCare wurden im Sommer 2009 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Eva Gerhard-Abozari hat seinerzeit den Förderantrag des Konsortiums mit externen Gutachtern evaluiert und für förderungswürdig erklärt. Das BMBF folgte dieser Empfehlung und stellte 5 Mio. Euro zur Verfügung; die Industriepartner leisteten einen Beitrag von 2,5 Mio. Euro. „Während der Laufzeit des Projektes habe ich u. a. die wissenschaftlichen Fortschritte verfolgt und die Verwendung der Mittel geprüft“, umreißt sie ihre Aufgabe. Weil das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Ergebnisse als herausragend einstufte, wurden sie vom Parlamentarischen Staatssekretär, Thomas Rachel, im Juni 2009 der Presse vorgestellt.

NanoCare ist nur eines von rund 65 Projekten, das Gerhard-Abozari im Rahmen des Förderprogramms „Werkstoffinnovationen für Industrie und Gesellschaft“ (WING) des BMBF betreut. Da heißt es, den Durchblick behalten, wenn die Projektleiter oder Projektpartner Fragen etwa zur Mittelbereitstellung haben. „Im einen Jahr benötigen sie mehr Geld als geplant, im nächsten Jahr rufen sie nicht alle eingeplanten Mittel ab“, benennt Gerhard-Abozari eines der häufigsten Anliegen. Klingt eigentlich nach einer rein betriebswirtschaftlichen Angelegenheit. Ist aber ein fachliches Problem. Denn öffentliche Fördergelder fließen nur, wenn sie sachlich, sprich dem Projektverlauf geschuldet begründet sind. „Also muss ich zunächst den Projektverlauf prüfen. Erst dann kann ich über die beantragte Mittelverschiebung entscheiden.“

Die „Nöte“ der Zuwendungsempfänger kennt sie gut. Bevor sie vor rund sieben Jahren zum Projektträger Jülich wechselte, war die studierte Chemikerin am Deutschen Wollforschungsinstitut an der RWTH Aachen selbst für die Einwerbung von Fördermitteln verantwortlich. Hier hat sie Förderanträge geschrieben und die Projekte ihres Instituts administrativ begleitet. Jetzt ist sie es, die über Förderanträge entscheidet. „Hier kann ich die Forschungslandschaft richtig mit vorantreiben“, beschreibt sie die Faszination.

Dr. Eva Gerhard-Abozari, Geschäftsbereich Neue Materialien und Chemie